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Die Wut - Rendezvous zum Kaffeeklatsch

Warum sagt eigentlich selten ein Mensch: „Juchuh, ich bin wütend!“?

Meiner Meinung nach, wäre das eine angemessene Reaktion.

Wie alle Gefühle, hat auch die Wut eine wichtige Funktion in unserem Leben. Wenn etwas das uns wichtig ist verletzt wird, dann weißt die Wut uns darauf hin.

Respektiert jemand z.B. unsere Privatsphäre nicht, verhält sich rücksichtslos oder unehrlich, dann werden wir wütend.


Wütend zu werden ist eine völlig natürliche Reaktion. Doch viele Menschen wären am liebsten nie wütend. Immer wieder spielt sich in meiner meiner Praxis folgende Szene ab:

Ich frage: „Wie hätten Sie es gerne in der Zukunft?“

Antwort meines Gegenübers: „Ich will nicht mehr wütend sein. Ich will dass mir alles egal ist. Ich will mich nicht mehr aufregen.“

Dann antworte ich in etwa so: „Wenn Sie nicht mehr wütend sind, dann werden Sie auch alle Ihre anderen Emotionen nicht mehr spüren. Keine Freude, keine Vorfreude, keine Neugierde, keine Trauer - vielleicht sogar kein Mitgefühl mehr. Man kann nicht ein Gefühl „abstellen“ und die anderen bleiben weiter aktiv. So funktioniert das nicht. Es ist ein System, mit unterschiedlichen Aufgaben. Verschiedene Botschafter, die uns Nachrichten überbringen. Wichtige Nachrichten. Es ist auf Dauer ungesund, diese zu ignorieren.“

Mein Gegenüber:„Ja, ich verstehe, ABER die Wut, die will ich nicht mehr haben. Ich will meine Wut unter Kontrolle haben. Wenn ich mich nur genug anstrenge, dann werde ich nicht mehr wütend.“

Hm, dem stimme ich so nicht ganz zu. Ich würde sagen: „Es ist angenehm das eigene Verhalten bewußt zu steuern.“ UND „Es ist wichtig das eigene Gefühl wahrzunehmen und nicht gleich wieder weg zu schieben. Wir vermischen an dieser Stelle oft zwei Dinge zu Einem. Jedoch sind es zwei parallel ablaufende Prozesse: das Eine ist, wie wir uns fühlen, z.B. sauer; das Andere ist wie wir uns verhalten.


Das, dass wir wütend sind heißt nicht dass wir aggressives Verhalten als Konsequenz wählen müssen.


Bitte, fühlen Sie Ihre Wut, registrieren Sie, dass sie da ist! Ziehen Sie Nutzen aus Ihrer Wut. Die Wut ist Ihr persönlicher Botschafter und möchte Ihnen eine bedeutsame Nachricht überbringen: „Hey, da passiert gerade ein Übertritt und der ist WICHTIG für Dich!“


„Wut, erzähl mal! Was gibt es wichtiges zu berichten.“

Deshalb, finde ich, könnten wir jedes mal eine kleine Party feiern, wenn die Wut in uns aufsteigt. Eine kleine Willkommensparty sozusagen. In Griechenland wird Besuch immer gefeiert. Da heißt es sofort: „Komm rein, setz Dich! Was darf ich Dir zu trinken anbieten?“

Und vielleicht können wir alle von dieser Vorgehensweise etwas lernen. Wenn die Wut an die Tür klopft, den Küchentisch gemütlich herrichten und sie fragen: „Willst Du Kaffe, hier hast Du Kekse. Setz Dich, zieh Deine Jacke aus.“ ...und dann: „Erzähl mal! Was gibt es wichtiges zu berichten.“ Und die Wut hat immer Wichtiges zu berichten. Sie wird sagen: „Xy hat dies gesagt und das getan und damit diese eine bestimmte wichtige Regel gebrochen.“

Hören Sie zu. Das heißt nicht, dass sie gleich laut schreiend aufspringen müssen und aktiv werden müssen, auch wenn die Wut sie darum bittet. Saugen Sie einfach nur die Informationen in sich auf und bemerken Sie: “Ah, ja. Das ist mir also wichtig, deshalb kommt die Wut und klopft an die Tür. Interessant, ich habe etwas Neues über mich gelernt! Das Kaffeekränzchen hat sich gelohnt“

Denn habe ich etwas Neues über mich gelernt. Bin ich mit mir selbst im Kontakt.

Bin ich mit mir selbst regelmäßig im Kontakt, stärke ich mein Selbstbewusstsein.

Bin ich mir mehr und mehr meiner selbst bewusst und darüber was mir wichtig ist, hilft das sehr dabei im Gleichgewicht zu bleiben. Dann, füllt sich mein Leben mit Sinn.

Menschen die ihr Leben mit Sinn füllen, leben, das hat man in Studien herausgefunden, glücklichere Leben und bessere Beziehungen.

Das nächste mal, wenn die Wut in Ihnen aufsteigt...

...halten Sie Kaffee und Kekse bereit.

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© 2020 Alexandra Charalampidu