Neue Perspektiven und altbewährtes Wissen

Ein kleines Licht in einer dunklen Stunde


Krise, Abschied, Neubeginn, Trauer

Als Psychologin bin ich immer objektiv und wertfrei gegenüber politischer und religiöser Einstellung oder jedweder Entscheidung wie ein Mensch sein Leben lebt. Wie für einen Arzt, steht auch für mich an erster Stelle der Mensch, jeder Einzelne und seine Gesunderhaltung, seine Heilung. Dabei greife ich auf Fachwissen zurück, welches ich an der Universität und an anderen Bildungsstätten und auch aus Büchern erworben habe, sowie auf meine ganz persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen. Rituale können ein sehr unterstützendes Werkzeug bei einer ausgeglichenen Lebensführung sein, zumindest sind sie das für mich persönlich. Ich greife dieses eine Ritual, stellvertretend für viele andere an dieser Stelle auf. Heute ist für die orthodoxen Griechen überall auf der Welt Palmsonntag, der Beginn der großen Woche (Karwoche) die uns viel Wissen und Weisheit über Transformationsprozesse überliefert. Schaut man auf die Überlieferungen, frei von institutionellem Dogma und voller Neugierde auf das Wissen, welches von Generation zu Generation weiter geschenkt wurde, kann dieses Wissen uns Hoffnung und Kraft schenken und die Gewissheit, dass nach der Zeit großen Schmerzes eine bedeutsame, ja großartige Veränderung folgt. Am heutigen Palmsonntag feiern tausende von Menschen den Einzug eines Mannes als „König“ in Jerusalem. Auf materieller Ebene mag „König sein“, die Krone auf das Haupt aufgesetzt zu bekommen das höchste erstrebenswerte Ziel sein. Doch die Geschichte zeigt, dass dieses Ziel nicht das Endziel war. Der augenscheinliche Höhepunkt war in diesem Fall der Auftakt einer schmerzvollen Zeit, voll Leid. Und so folgt auf den Palmsonntag das letzte Abendmahl, der offizielle Abschied des Zustandes der bisher war und schließlich die schmerzvolle Kreuzigung. Erst nach 3 Tagen des Todes folgt der Neubeginn durch die Auferstehung. Wie hat sich diese Woche wohl für diesen Mann und seine Angehörigen angefühlt? Sicherlich unsagbar schmerzvoll, vielleicht sogar hoffnungslos. Welches Wissen schenkt mir persönlich diese Tradition? Haben sie schon einmal unsagbar großen Schmerz und Hoffnungslosigkeit erlebt? Ja, ich auch. Selbstverständlich, denn egal welchen Beruf ich habe, bin ich ein Mensch und Schmerz und Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Sorge sind ein normaler Bestandteil eines jeden menschlichen Lebens. Alle Emotionen machen Sinn und sind wichtig. Diejenigen unter Ihnen die mich kennen, haben mich das schon oft sagen hören. Wenn Sie mich fragen, bedeutet leben stetiger Verlust und Neubeginn. Manchmal im Kleinen und manchmal auch in großen wichtigen Veränderungen. Um uns weiterentwickeln zu können, müssen alte Lebensführungen „sterben“, sie verwelken sozusagen und werden zur Erde in der etwas Neues wachsen kann. Wir können sicher sein, das etwas Neues, etwas Transformiertes daraus entstehen wird. So wurde es uns von Generation zu Generation übermittelt. In vielen Traditionen. Ich beziehe mich in meinen Ausführungen auf die Karwoche, weil ich persönlich gerade heute diese zelebriere. Weil ich persönlich mit dieser Tradition aufgewachsen bin, nicht weil sie besser oder schlechter ist als eine andere. Ich persönlich sehe das an dieser Stelle ganz pragmatisch: ich greife auf alle Ressourcen zurück die jetzt und hier in meinem Leben vorhanden sind. Und meine Familie hat mich nun mal in dieser einen Tradition geprägt. Und so nutze ich diese „Legende“ wenn Sie wollen. Wer kann sicher sagen was in der Vergangenheit passiert ist? Ich als Psychologin habe schon im ersten Semester meines Studiums gelernt, welche Streiche das Gedächtnis Menschen spielen kann und spielt. Deshalb sind für mich die niedergeschriebenen Worte einzelner Menschen immer sehr subjektive Wiedergaben von Ereignissen. Darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Mir geht es um den verborgenen Schatz, das Wissen und die Botschaft hinter der Botschaft, die für mich lautet: Alles ist immer im Wandel und auch während der düsteren Zeit, der Woche voll Verrat, Abschied, Schmerz und Trauer ist alles immer im Wandel. Auch während der 3 Tage in denen alles still zu stehen scheint. Es fühlt sich an wie das Ende, aber der Wandel findet weiterhin statt und etwas Neues beginnt, etwas wunderbareres als zuvor. Wir stehen wieder auf, erstehen auf und erfahren ein „himmlisches“ Gefühl. Es geht nicht einfach nur weiter, nein es geht auf einer anderen, höheren, „himmlischen“ Ebene weiter. Mir persönlich hat die „Legende“ der großen Woche und die Gewissheit, dass es schon unzählige von Menschen so erlebt haben, so oft, dass daraus sogar eine Tradition entstanden ist für Menschen weltweit, geholfen. Dieses Wissen, diese Gewissheit stützt mich, stärkt mir den Rücken, hilft mir auch heute wieder. Heute, wenn ich voller Sorge in die Zukunft blicke. Heute, wenn die Angst, der Verrat und der Schmerz mich überkommt, weil ich Abschied nehmen muss. Die „Legende“ der großen Woche, der Karwoche tröstet mich und schenkt mir Hoffnung. Die Zuversicht, dass nach dem Abschied, der Angst und der Wut, bessere, neue Zeiten kommen. Also abwarten, was nach diesen 3 Tagen Dunkelheit passieren wird. Ich persönlich, finde dieses jährliche Ritual eine zuverlässige Stütze, an der ich mich festhalten kann und ich bin dankbar dafür. Also sitzt mit mir meine Lieben, lasst uns darauf vertrauen, lasst uns geduldig sitzen in der Gewissheit, dass auch nach dieser „Totenwache“ etwas Neues entstehen wird.

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